Alaska – ein Traum wird endlich wahr
- Irene Sieber

- 8. Okt. 2022
- 4 Min. Lesezeit
Viele von euch wissen, dass ich seit jeher mit dem Fernweh- und Reisevirus infiziert bin (ich hoffe es ist nicht grenzwertig in diesen Zeiten Anspielungen auf Viren zu machen 😉).
Seit ich in meiner Jugend die Abenteuerromane «Ruf der Wildnis» und «Wolfsblut» von Jack London las, war es immer mein Traum, einmal nach Alaska zu reisen. Mich faszinierten die Beschreibungen dieser Landschaft und des rauen Lebens in diesem entlegenen Winkel der Erde. Das Buch «Into the wild» von Jon Krakauer und der gleichnamige Film über den Aussteiger Christopher McCandeless, Ende der Nullerjahre weckten den schlafenden Traum wieder auf. Ich begann mich eingehender mit der Planung zu befassen, d. h.welche Orte ich denn in Alaska besuchen wollte. Die arktische Tundra, den sagenhaften Mount Denali – den höchsten Berg Nordamerikas – und die Fjorde und Gletscher Südwestalaskas standen ganz oben auf meiner Liste.
Und natürlich die BÄREN 🐻❤️🐻.
Dass es in Alaska die weltweit grösste Bärendichte gibt wusste ich schon, Beobachtungsplätze, welche relativ einfach erreichbar sind gibt es einige. Ich wollte aber den Bären so nahe wie möglich kommen und sie abseits von jedem Besucherrummel erleben… «into the wild» eben. Bei meinen Recherchen stiess auf die Insel Kodiak und die Katmaiküste, wo die grössten Braunbären (in Nordamerika «Grizzlys» genannt) leben. Die Küstenbären von Katmai hatten es mir besonders angetan, fernab von jeder Zivilisation leben sie im äussersten Zipfel Südwestalaskas. Doch wie sollte ich an diesen unerschlossenen Ort gelangen, der – wenn überhaupt – nur per Schiff oder Wasserflugzeug erreichbar ist?
Küstenbraunbären von Katmai
Es sollten noch einmal ein paar Jahre vergehen, bis ich den Schweizer Biologen und Bärenforscher David Bittner kennenlernte. David hat viele Sommer an der Katmaiküste bei den Bären verbracht. Mit seiner Wissenschaft, Aufklärung, Büchern und dem Medium Film setzt er sich für den Schutz und den Erhalt dieser einzigartigen Tiere ein. Hin und wieder organisiert und leitet David Expeditionen zu den Küstenbären. Da wollte ich unbedingt dabei sein! 2018 wurde eine Expedition für September 2020 geplant, wie freute ich mich, einer dieser raren Plätze zu bekommen. Und dann… ja dann kam die Pandemie. Die Expedition wurde verschoben auf 2021, anschliessend auf 2022 und dann erstmal wegen mangelnder Teilnehmer abgesagt. David gab jedoch nicht auf und fand doch noch eine kleine Gruppe unerschrockener Bärenfans für die Tour. Nach über 3 Jahren Planung, Vorfreude, Verschiebung, Absage und erneuter Planung, klappte es endlich – meine Reise nach Alaska konnte beginnen.
Nach einer langen Anreise via San Francisco kam ich in Anchorage an. Ich hatte super Flugwetter. Just bei meinem Abflug in SF ging die Sonne auf, das erste Licht auf der Flügelspitze, unten die Golden Gate Bridge. Mount Hood in der Nähe von Seattle präsentierte sich ebenfalls sehr schön.
In Anchorage noch fast sommerlich und angenehm mild, veränderte sich die Natur auf der Fahrt gegen Norden fast nach jeder Meile und auf einmal war ich im Herbst angekommen. Die dichten Fichten- und Birkenwälder wurden weniger und der Blick in die arktische Tundra tat sich auf. Die weite Landschaft begeisterte mich.
Denali Nationalpark
Erste Station meiner Reise war die einsame Wildnis des Denali Nationalparks. Ich war überwältigt von der Schönheit dieser weiten Landschaft, die arktische Tundra leuchtete in allen Herbstfarben von gelb, rot bis purpur.
Nur die ersten 15 Meilen sind dem Individualverkehr gestattet, wer wirklich IN das Herz des Denali NP und die einsame Wildnis will, muss auf den Parkbus umsteigen und restlichen 85 Meilen mit diesem Bus auf der Schotterstrasse zurücklegen.
Im August 2021 ist ein Abschnitt der Strasse wegen schon länger anhaltendem Auftauen des Permafrostes abgerutscht, die Zufahrt bis auf Weiteres unmöglich geworden. Diese wird wohl erst 2025 mit veränderter Stassenführung wieder möglich werden, wie mir ein Parkranger erzählte.
Die drei einzigen und heissbegehrten Logdes im Denali NP haben nun einen AirTaxi-Service eingerichtet. So konnte ich mit einer Cessna 205 in die Kantishna-Berge fliegen. Ich hatte riesiges Wetterglück, der Mount Denali, der höchste Berg Nordamerikas (6190m) und einer der «seven Summits», zeigte sich in seiner ganzen Pracht und der nette Pilot flog sogar noch eine Extrarunde. Auch während meines Aufenthaltes war mir der Berg, der sich zwei Drittel des Jahres in den Wolken versteckt, immer wieder gnädig.
Ich bezog im Camp meine Hütte, fliessend kalt und Wasser vor der Tür 😜, Plumsklo in 20m Entfernung und genügend Holz zum Heizen. Es folgte ein herzlicher Empfang im Dinning Room. Die Nationalfaggen aller anwesenden Gäste wurden aufgehängt. Eine internationale coole Truppe hatte sich da zusammengefunden..
Da war er nun, der Berg meiner Sehnsucht: Der Mount Denali, der Berg, der weiter als alle anderen auf der Erde über seine Umgebung hinausragt. Denali bedeutet in der Sprache des Indianerstammes Koyukon, «der Grosse» oder «der Hohe». Das Klima am höchsten Gipfel der Alaskakette ist extrem, gerade bei wolken- und niederschlagsfreiem Wetter ist es am Denali sehr kalt. Am Gipfel werden selten Temperaturen über -15 Grad gemessen, häufiger sind Werte um -30 Grad, wobei der Kälterekord bei etwa -73 Grad liegt.
Wunderschön auf den täglichen Wanderungen waren die Sichtungen der «Big Four» Alaskas: Bär, Elch und Karibu, einzig den Wolf traf ich nicht an. Die Karibus hatten bereits ihr Winterfell und sammelten sich für ihre Wanderung gegen Süden. Die Bären frassen noch was Zeug hält, bevor sie Winterschlaf halten. Es hatte noch Blaubeeren in Hülle und Fülle und sowohl Bären- wie auch Karibukot waren vielfach violett anzutreffen 😜.
Die Begegnungen mit den Wildtieren sind keine Selbstverständlichkeit und es hängt wohl damit zusammen, dass die Parkstrasse geschlossen und es dementsprechend viel ruhiger ist. Ein besonderes Highlight war Frau Elch beim Frühstück im Wonder Lake, mit dem ersten Licht am Mount Denali.
























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