Wales – 2. Vorbereitungsreise, Mai 2026
- Irene Sieber

- 5. Juni
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 2 Tagen
Für die geplante Fotoreise nach Wales im Frühsommer 2027 reiste ich mit Marc Bovard, dem passionierten Fotografen Anfang Mai erneut nach Wales. Entlang der ausgeschriebenen Route – von der wilden Küste Pembrokeshires über die magische Insel Anglesey bis ins grüne Herz von Wales, den Brecon Beacons National Park – erkundeten wir zusätzliche Fotospots und suchten nach den besten Standorten für eindrucksvolle Aufnahmen.
Wales begrüsste uns alles andere alles freundlich. Bei unserer Ankunft in Cardiff nieselte es, grauschwarze, bedrohliche Wolken hingen am Himmel.
Bei der Übernahme des Mietwagens ging ein Gewitter nieder und bevor unsere Reise überhaupt begonnen hatte, waren wir durch und durch nass. Auf der Fahrt zu unserer ersten Station, dem hübschen Hafenstädtchen Tenby, regnete es ohne Unterlass.

Eigentlich konnte es nur besser werden! Beim späten Abendessen im Hotel konsultierten wir die diversen Wetterapps und machten die Pläne für den nächsten Tag.
Früh klingelte der Wecker, denn es stand bereits ein erstes Highlight auf dem Programm. Die «Green Bridge of Wales», ein eindrucksvolles Felsentor an der wilden Küste von Prembrokeshire. Das Wetter präsentierte sich ein wenig freundlicher, der Regen hatte aufgehört, wir waren voller Optimismus. Während der Fahrt zum Fotostandort wurde die Sicht zunehmend schlechter, vom Meer her zog dichter Nebel zur Küste. Mit einem Sonnenaufgang am Felsentor würde es vermutlich nichts werden. An unserem Ziel angekommen herrschte eine sonderbare Stimmung: Das Meer, das hier mit grossen Wellen gegen die Küste brandet, war fast vollkommen still. Der Nebel waberte entlang der Küstenlinie und verlieh der ganzen Szenerie etwas Unwirkliches, Mystisches. Ich konnte mich erst nicht so recht für diese Stimmung begeistern, doch Marc hat mich mit seinem Enthusiasmus und seinen Fotos angesteckt.
Gleich neben dem Felsenbogen befinden sich zusätzlich noch markante Felsnadeln vor der Küste, auf denen zahlreiche Austernfischer und Trottellummen nisten. Bereits am frühen Morgen herrschte dort emsiges Treiben. Schnell die lange Linse ausgepackt und die gefiederten Freunde fotografiert.
Auf dem Rückweg zum Frühstück wollten wir uns noch einen kleinen Bärlauchwald ansehen – kurz, wirklich nur kurz – da uns der Magen knurrte. Aus kurz wurde dann doch länger 😉. Der Wald an einem schmalen Flüsschen hat uns regelrecht verzaubert. Durch den Regen und die Feuchtigkeit leuchteten das zarte Frühlingsgrün mit den weissen Blüten um die Wette.
Nach dem Frühstück erkundeten wir das schmucke Hafenstädtchen Tenby mit seinen farbigen Häusern entlang des Hafens. Die Ebbe erreichte just ihren Tiefpunkt und so konnten wir grossartige Spiegelungen in den Gezeitentümpeln festhalten.
Unser Nachmittagsprogramm war die Umrundung der Gower Halbinsel. Diese Halbinsel bietet vielfältige Fotomöglichkeiten: steile, zerklüftete Küsten, kilometerlange Sandstrände und Flussläufe, die sich durch grüne Täler ins Meer schlängeln. Das Wetter besserte sich zusehends, doch wir sahen, dass dies nur von kurzer Dauer sein sollte. Gegen Abend sollte es wieder zu regnen beginnen. Nun, wir machten das Beste daraus und erkundeten alle Fotolocations. Wir hatten nicht die besten Lichtsituationen, doch wir wussten, die Standorte sind ideal. Die Prognosen bewahrheiten sich und am späten Nachmittag setzte erneut der Regen ein, der bis am Vormittag des nächsten Tages anhalten sollte. Danach sollte Schluss sein mit diesem doch sehr «britischen Wetter». Daher beschlossen wir, am nächsten Morgen um 5.20 Uhr einen Wettercheck zu machen und ansonsten ein letztes Mal etwas länger zu schlafen.
Von Tenby führte uns unsere Reise weiter entlang der Küste von Pembrokeshire. Kurze Stopps legten wir beim Carew Castle und beim Pembroke Castle ein. Beides wären herrliche Motive, denn im Wassergraben würden sich die Burgen spiegeln, nicht so am heutigen Tag – leider. So blieb es bei einer Stippvisite. Als Entschädigung trafen wir im frühlingsgrünen Wales immer wieder auf bezaubernde Wälder mit Teppichen von blühenden Bluebells, Bärlauch und Kerbel.
Je weiter wir nach Nordwesten kamen, desto besser wurde das Wetter und wir konnten ein erstes Mal die Sonnenbrillen aufsetzten und unterwegs im Freien picknicken.
Unser Ziel war die Gegend rund um St. David’s. Dieser Ort – auf einer Landzunge gelegen, ist ein kleines Dorf mit gerade mal 1800 Einwohnern, aber einer so mächtigen Kathedrale, die genauso gut in einer britischen Grossstadt stehen könnte.
Die Küste um diese Landzunge ist eine der wildesten und zerklüftetsten in Wales und bietet Fotomotive vom Feinsten. Kurz nach dem Checkin im Hotel studierten wir nochmals die Gezeitentabellen und machten uns auf den Weg, um die Fotospots vom Abend und nächsten Morgen zu erkunden. Wir suchten die besten Standorte für den unterschiedlichen Tidenhub. Der Tidenhub an der Südküste von Wales gehört zu den höchsten in Europa. Der Unterschied zwischen Ebbe und Flut kann bis zu 10 Meter betragen.
Den Sonnenuntergang fingen wir an der «Blue Lagoon» ein, wo uns der Abend eine wunderschöne Stimmung bescherte. Gegenüber in der Ferne ging ein Gewitter nieder, so konnten wir in zwei Richtungen fotografieren, was wiederum zu kleinen Stressmomenten führte. Jeder Landschaftsfotograf kennt es: Das lange Warten auf das richtige Licht – und ist es dann endlich da, scheint die Zeit plötzlich zu fliegen. Wenn dann in die andere Richtung auch noch grosses Kino herrscht... Ufff! 😉
Am nächsten Morgen klingelte der Wecker um 04.45 Uhr, auf zum Sonnenaufgang! Nach einer kleinen Irrfahrt durchs das noch fast dunkle St. David’s (wie kann man sich in einem Örtchen mit 1800 Einwohnern verfahren??), erreichten wir unsere Morgenspots. Das erste Licht tauchte die Klippen und die Aussicht auf die liebliche Landschaft von Wales in Rosa- und Goldtöne – einfach herrlich.

Zurück im Hotel gönnten wir uns ein ausgiebiges englisches Frühstück, bevor es wieder hiess, zusammenpacken und weiterreisen. Unsere Fahrt führte uns entlang der irischen See nach Caernarfon. Unterwegs steuerten wir zahlreiche Fotospots an, die wir auch auf der Fotoreise besuchen werden. Das walisische Seebad Aberystwyth, Leuchttürme und Wasserfälle. Besonders angetan hat es uns ein Wasserfall, der in mehreren Kaskaden durch ein Dörfchen fliesst. Gegenüber steht dekorativ ein altes Steinhaus mit einem hölzernen Wasserrad. Einmal mehr vergassen wir ein wenig die Zeit, wir hatten noch einige Kilometer vor uns bis nach Caernarfon. Dort erwartete uns zum Sonnenuntergang ein weiteres Highlight: Der einsame Baum. Die Fotogötter und das Wetter waren uns gnädig, goldenes Licht, malerische Wolken, Fotografenherz was willst du mehr!
An diesem Morgen klingelte der Wecker noch früher, 03.20 Uhr! 40 Minuten Anfahrt, 40 Minuten Fussmarsch, um bei bestem Licht an einem magischen Ort zu sein, nämlich auf der Gezeiteninsel Ynys Llanddwyn mit ihrem Leuchtturm. Früh aufstehen mag im Grunde keiner, doch der Fussmarsch in der Morgendämmerung zum Leuchtturm ist ein meditativer, fast entschleunigender Moment inmitten der Küstenlandschaft.

Den ganzen weiteren Tag verbrachten wir auf der Insel Anglesey, Ynys Môn, oder Insel der Druiden – die walisische Insel Anglesey hat viele Namen und jeder klingt mystisch. Kaum ein anderer Ort in Wales ist so von Mythen und Legenden umrahmt, wie Anglesey, die durch die Menai Strait vom walisischen Festland getrennt ist. Man denkt an Avalon, wenn man von Anglesey hört, jene sagenumwobene Jenseitsinsel der Kelten.
Früh aufstehen auch heute Morgen, denn es stand nochmals ein Leuchtturm im Morgenlicht auf dem Programm. Nach dem Frühstück verabschiedeten wir uns von der Küste und fuhren durch die beeindruckende Berglandschaft von Snowdonia in das grüne Herz von Wales, den Brecon Beacons Nationalpark. Unterwegs erwarteten uns zahlreiche tolle Fotospots. Ein pittoreskes Bergdorf und ein besonderer Leckerbissen, das Elan Valley mit seinen Staudämmen und Reservoirs.
Die Stauseen und Dämme sind einige der imposantesten Beispiele viktorianischer und edwardianischer Architektur. Sie wurden erbaut, um die Trinkwasserversorgung von Birmingham zu sichern. Sie lassen sich mit ihren Mauern und geschwungen Linien wunderbar in die Landschaft einbinden. Die ziehenden Wolken liessen zusätzlich faszinierende Licht- und Schattenspiele über die kargen Berglandschaften wandern.
Das Motto des heutigen und leider zugleich letzten Tages waren Wasserfälle. Auf einer Rundwanderung besuchten und fotografierten wir drei prächtige Wasserfälle (der vierte war bedauerlicherweise wegen Instandstellungsarbeiten des Weges gesperrt). Die Auf- und Abstiege waren streng, es führten zahlreiche Stufen hinunter zu den Wasserfällen und folgerichtig auch wieder hinauf. Fotografisch kann man sich jedoch so richtig austoben und mit Langzeitbelichtungen aus verschieden Perspektiven spielen.
Als Zugabe oder Verschnaufpause, posierten viele, schon fast zutrauliche Rotkehlen für uns. Marc machte zauberhafte Aufnahmen von den gefiederten Freunden. Ein Naturfotograf schleppt in der Regel die ganze Ausrüstung mit sich, man weiss ja nie! Ausnahmsweise liess ich die lange Linse aus Gewichtsgründen im Auto zurück, ich wollte ja Wasserfälle fotografieren. Blöd, sehr blöd 😉.

Den letzten Abend liessen wir beim Italiener mit feiner Pasta ausklingen und unsere Reise Revue passieren. Das Programm war intensiv und verlangte frühes Aufstehen – belohnt wurden wir jedoch täglich mit aussergewöhnlichen Lichtstimmungen und unvergesslichen Eindrücken.
Die Vielseitigkeit von Wales hat Marc und mich erneut begeistert. Umso mehr freuen wir uns darauf, die Gäste der Fotoreise 2027 an diese eindrucksvollen Orte zu begleiten und gemeinsam unvergessliche fotografische Momente zu erleben.

































































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