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Nova Scotia und Neufundland

  • Autorenbild: Irene Sieber
    Irene Sieber
  • 28. Juni 2025
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 18false41 GMT+0000 (Coordinated Universal Time)

Eine Fotoreise an die nördliche Ostküste Kanadas – dem «Atlantic Playground»


Neufundland und Nova Scotia. Diese Namen allein wecken Sehnsüchte – nach rauer Natur, salziger Meeresluft und dem Gefühl, ganz weit weg zu sein. Es war ein lang gehegter Traum, diese abgelegene Ecke Kanadas mit der Kamera zu bereisen. Im Juni 2025 war es endlich soweit: Die Reise führte mich erst privat zu lieben Freunden nach Nova Scotia. Anschliessend auf die Fotoreise entlang der atemberaubenden Küsten Neufundlands, vorbei an Leuchttürmen, zu den drolligen Papageitauchern, durch bunte Fischerdörfer und mitten hinein in die dramatische Szenerie der «Iceberg Alley».


 

Nova Scotia – Zwischen Küstenlicht und Farbenpracht

Nova Scotia, die kanadische Provinz, die bekannt ist für ihre zerklüfteten Küsten, charmanten Fischerdörfer und spektakulären Lichtverhältnisse. Vom geschäftigen Halifax bis zu den stillen Ecken von Cape Breton – jede Station war ein fotografischer Genuss.

Wegen einer technischen Störung des Flugzeugs verzögerte sich meine Anreise nach Halifax um einen Tag und ich musste auf der schon eher knapp bemessenen Zeit ordentlich Gas geben – leider.

Das Blue Cottage – zu Gast bei Freunden

Wohnen durfte ich während des Aufenthaltes bei meinen lieben Freunden Pam und Jean-Pierre, im charmanten Blue Cottage, nur einen Steinwurf vom Strand entfernt. In ihrem liebevoll eingerichteten BnB ist die Verbindung zur alten Heimat nicht zu übersehen. Von hier startete ich zu meinen Erkundungstouren.




Lunenburg – Farbenfrohes UNESCO-Juwel

Mein Weg führte mich erst südwärts nach Lunenburg, einem der malerischsten Orte der gesamten Provinz. Die Altstadt mit ihren farbenfrohen Holzhäusern, schiefen Gassen und Segelschiffen wirkte wie ein lebendiges Gemälde.

Weiter ging es entlang der Lighthouse-Route zur Mahone Bay. Die drei markanten, am Wasser liegenden Kirchen sind ein tolles Sujet, auch wenn es wegen des Windes mit der Spiegelung nicht wunschgemäss klappte. Im kleinen Fischerdörfchen Blue Rocks war mir der Wind dann gnädiger gesinnt. Während ich die Fischerhäuser ablichtete, besuchte mich ein Sandstrandläufer und er posierte so nett für mich, dass ich die Zeit vergass und auf einmal zu meinen Abendspot pressieren musste.




Peggy’s Cove – Wo das Meer Geschichten schreibt

Natürlich durfte auch ein Besuch in Peggy’s Cove nicht fehlen. Der ikonische Leuchtturm auf den glatt geschliffenen Granitfelsen ist ein Muss. Auch wenn man ihn schon tausendfach auf Fotos gesehen hat, ist das Erlebnis vor Ort unvergleichlich. Die Waldbrände in Zentralkanada und die Aschepartikel in der Luft bescherten mir einen traumhaften Sonnenuntergang. Ich konnte mich von diesem Ort kaum lösen.

Für mich als Schweizerin und Flughafenanwohnerin hat Peggy’s Cove auch eine tragische Bedeutung. 1998 stürzte hier Swissair Flug 111 in den Atlantik und alle 229 Insassen verloren ihr Leben.



Cape Breton – Naturdrama und stille Schönheit

Die nächste Etappe war die Umrundung von Cape Breton Island, auf dem berühmtem Cabot Trail. Die Panoramastrasse umschliesst den gesamten nördlichen Teil von Cape Breton und führt entlang zerklüfteter Felsenküsten und bewaldeten Bergen – windet sich Berge hinauf und wieder hinunter. Immer wieder bieten sich spektakuläre Ausblicke auf den Atlantischen Ozean. Als Highlight wanderte ich auf dem Skyline Trail entlang der felsigen Küste.



Hier «hätte» ich grossartige Panoramablicke auf das tosende Meer und die majestätischen Berge gehabt. Ein heftiges Gewitter vereitelte meine Pläne. Ich harrte rund 90 Minuten unter einer Fichte aus, in der Hoffnung das Gewitter möge rasch vorüberziehen. Doch dem war nicht so, es regnete sich richtig ein. Enttäuscht wanderte ich im strömenden Regen zum Auto zurück.

In meiner Unterkunft – einem Motel mit sechs Zimmern – war ich der einzige Gast. Die etwas schrullige Besitzerin löcherte mich beim Einchecken mit vielen Fragen: «woher kommen sie, wohin reisen sie, sind sie denn wirklich alleine unterwegs». Ich fühlte mich ein wenig wie in Bates Motel und vergewisserte mich wirklich zwei Mal, ob meine Zimmertür auch abgeschlossen war. 😊



Halifax – Die lebendige Hafenstadt

Meine begrenzte Zeit reichte noch für einen kurzen Besuch in Halifax, der Hauptstadt der Provinz. Der geschäftige Hafen mit seinen alten Lagerhäusern, Segel- und Fischerbooten war eine tolle Mischung aus maritimem Flair und urbanem Leben. Auf dem drei Kilometer langen Halifax Waterfront Boardwalk kann man schlendern und dem bunten Treiben auf den Quais zuschauen.


Dann war Zeit zum Abschiednehmen von Nova Scotia, das nächste Abenteuer wartete auf mich: Die zweiwöchige Fotoreise in Neufundland. Ein kurzer Flug von Halifax nach St. John’s wo ich die Teilnehmer der Fotoreise kennenlernen durfte.


Neufundland – Zwei Wochen Fotoglück am Atlantik


Leuchttürme, wilde Küsten und Sonnenuntergänge

Kaum etwas verkörpert die maritime Romantik Neufundlands besser als seine Leuchttürme. Inmitten dieser wilden Natur trotzen Leuchttürme seit Jahrhunderten dem Atlantik. Dazu gehören Fischerdörfer mit bunten Holzhäusern, rostige Schiffwracks, Möwengeschrei und Nebelhörner. Genau das macht diesen Reiz aus. Besonders eindrucksvoll: Das Cape Spear Lighthouse, der östlichste Punkt Nordamerikas. Nirgendwo ist man näher an Europa als hier, wo die Sonne als erstes den Kontinent begrüsst.



Basstölpel und Papageitaucher – Freude an gefiederten Freunden

Am Cape St. Mary’s befindet sich eine der grössten Basstölpelkolonien Nordamerikas. Der Pfad zur Klippe führt durch Grasland. Schon beim Näherkommen kündigte sich die Kolonie akustisch an. Ein vielstimmiges, durchdringendes Kreischen. Dort angekommen, ist der Anblick überwältigend. Tausende von Basstölpeln, diese majestätischen Seevögel mit ihrem schneeweissen Gefieder, schwarzen Flügelspitzen und honiggelben Köpfen. Sie steigen in eleganten Spiralen empor, stürzen pfeilschnell ins Meer oder gleiten mit ausgestreckten Schwingen dicht über unsere Köpfe.



Nicht weniger spektakulär war der Besuch von Elliston, einer der Küste vorgelagerten Felseninsel. Nur wenige Meter trennten uns von den kleinen, bunten Papageitauchern, welche geschäftig ihre Nester auf der Felseninsel bezogen. Ihre leuchtenden Schnäbel und tapsigen Landungen sind ein Fest für jeden Fotografen. Zwei Mal durften wir diesen Ort besuchen, einmal während eines perfekten Sonnenaufgangs, d.h. «Puffin-Kitsch» vom Allerfeinsten.



Whale Watching – Begegnung mit den Giganten der Meere

Was für ein aufregendes Abenteuer – es ging mit dem Zodiac in horrendem Tempo aus dem Hafen in die weite Bucht hinaus auf der Suche nach Walen. Auch wenn das Meer eher ruhig war, musste man sich gut festhalten, die Schläge abfedern und auf seine Ausrüstung achten.

Dann wurde angehalten, die Stille tat gut. Wir hielten mit Ferngläsern Ausschau nach dem Blasen der Wale. Da! Eine Fontäne stieg senkrecht auf. Nur Sekunden später erhob sich eine massige, zerklüftete Rückenlinie aus dem Wasser: Ein Pottwal. Langsam, wie in Zeitlupe, glitt er durch die Oberfläche – majestätisch, archaisch. Dann wölbte sich der Rücken, ein kurzer Moment der Spannung, und mit einer eleganten Bewegung hob sich die riesige Schwanzflosse aus dem Meer. Tropfen glänzten in der Sonne, bevor er lautlos verschwand. Der Tauchgang begann – bis zu 2000 Meter tief, ca. 1 Stunde lang. Und zurück blieb: Gänsehaut pur! Sage und schreibe sechs Pottwal-Sichtungen durften wir erleben und fotografieren.

Gegen Ende der Tour erspähte unser Skipper einen breiteren, niedrigeren Blas. Ein neues Highlight kündigte sich an. Ein Finnwal, das zweitgrösstes Tier der Erde durchpflügte das Wasser. Seine Dimensionen sind unglaublich – über 20 Meter lang, fünf Mal so lang wie unser Zodiac. Der schlanke Körper mit der markanten Sichelflosse zog knapp unter der Oberfläche vorbei. Man sah die Haut flimmern, die Kraft der Bewegung, das lautlose Gleiten eines Ozeanriesen. Nochmals Gänsehaut pur!



Twillingate – Die Eisberghauptstadt

Twillingate, an der sogenannten «Iceberg Alley» gelegen, ist einer der besten Orte der Welt, um Eisberge aus nächster Nähe zu fotografieren. Das 10’000 Jahre alte Eis bricht in Grönland von den Gletschern ab und wird via Labradorstrom und Wind bis nach Neufundland getragen.

Die Eisberge sind teilweise bis zu drei Jahre lang unterwegs, treiben an der Küste vorbei oder stecken in den Buchten fest. Jahrtausendealtes Eis wird wieder zu Wasser.

Und was hatten wir wieder für ein Fotoglück! In einer Bucht nahe Twillingate fanden wir einen über 60 m hohen Koloss mit der Form des Matterhorns. Davor eine verfallene Bootshütte, in der Ferne Gewitterwolken, besser angerichtet ging gar nicht.

Einer der Teilnehmer sprach einen Fischer am Hafen an und konnte ihn ganz spontan zu einer Bootstour überreden. So konnten wir exklusiv mit einem kleinen Fischerbötchen um den mächtigen Eisberg tuckern und unsere Speicherkarten füllen. Danke Hansjörg für diese spontane Aktion!



Farbenfrohe Fischerdörfer – wie aus einem Gemälde

Neufundlands Dörfer sind ein Farbenspiel aus Gelb, Blau, Rot und Grün – fast so, als wollten sie der oft rauen Witterung trotzen. Besonders Trinity mit seinen liebevoll restaurierten Holzhäusern und Bonavista mit seinem pittoresken Hafen haben es mir angetan. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, alles war ruhig, ehrlich und authentisch.



Fazit – Fotoglück am Atlantik

Meine Reise durch Neufundland zu beinahe unberührter Natur wird unvergesslich bleiben. Die Kombination aus dramatischer Küste, faszinierender Tierwelt, arktischen Eisbergen und malerischen Dörfern ist ein Paradies für Fotografen. Wer Natur liebt, wird Neufundland nicht nur sehen – er wird es spüren.



Ich hoffe, ich konnte dich mit meinem Reisebericht und meinen Fotos unterhalten und dir einen kleinen Einblick in Magie der kanadischen Atlantikprovinzen Nova Scotia und Neufundland geben. 

Vielen Dank für deine Aufmerksamkeit. Herzlich – Irene

Diese wunderbare Fotoreise wird im Juni 2027 von Thomas Heitmar, (Thomas Heitmar Fotografie & Verlag) wieder durchgeführt. Wenn du gerne fotografierst, die wilde Natur liebst und Lust auf Erlebnisse  abseits ausgetretener Pfade hast, dann solltest du dir diese Abenteuer nicht entgehen lassen!





 
 
 

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