Frühling in Kerkini, Mai 2026
- Irene Sieber

- 22. Juni
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 11Std.
Schon zahlreiche Male war ich jeweils im Januar mit Gästen am Kerkinisee in Griechenland, der Heimat der imposanten Krauskopfpelikane. Diese Jahreszeit ist ideal, da die Pelikane ihr prächtiges Brutkleid tragen, das ihre Erscheinung noch eindrucksvoller macht. Mein griechischer Freund Babis schwärmte jedoch immer wieder vom Frühling am Kerkinisee. Dann sei alles ganz anders: eine üppige, frühlingshafte Landschaft und zahlreiche Vogelarten, die hier brüten, den Sommer verbringen oder auf ihrer Zugroute Rast machen.
Der Kerkinisee ist tatsächlich eines der bedeutendsten Schutzgebiete Griechenlands und ein Hotspot der Biodiversität. Nach Norden wird er durch das mächtige Beles-Gebirge in Bulgarien abgeschirmt, wodurch viele Vogelarten am See und in seiner Umgebung ideale Lebensbedingungen vorfinden.
Obwohl der Kerkini-See kein natürlicher See ist, hat er sich zu einem der wichtigsten Feuchtgebiete Europas entwickelt. Er entstand 1932 durch den Bau eines Staudamms und verwandelte die umliegende Landschaft im Laufe der Zeit in ein wahres Naturparadies. Wenn der Mensch in die Natur eingreift, muss das Ergebnis nicht zwangsläufig negativ sein. Der Kerkinisee ist dafür ein wunderbares Beispiel.
Zusammen mit meinem Fotofreund Marc Bovard reiste ich Mitte Mai nach Griechenland. Wahrlich, es bot sich uns ein ganz anderes Bild als jenes, das wir aus dem Januar kannten. Die Natur stand in voller Blüte, und die Wasserstände erreichten aufgrund der Schneeschmelze und der Frühlingsniederschläge ihren Höchststand. Viele Feuchtwiesen und Felder waren überflutet. Besonders stimmungsvoll präsentierten sich die im Wasser stehenden Bäume, die im Licht der aufgehenden Sonne eine beinahe märchenhafte Szenerie bildeten.
Für einmal war es ein Genuss, bereits vor Sonnenaufgang in leichter Bekleidung aufzubrechen. Im Januar muss ich jeweils einige zusätzliche Minuten einplanen, um mich in mehrere Kleiderschichten inklusive Heizweste zu hüllen, bevor es hinaus in die winterliche Kälte geht.
Auf den täglichen Boots- und Pirschfahrten konnten wir zahlreiche Reiherarten, Pelikane, Löffler, Kormorane und viele weitere Wasservögel beobachten. Auch Bienenfresser, Wiedehopfe und verschiedene Singvögel zeigten sich immer wieder entlang unserer Wege. Zwischendurch legte ich die Kamera für einen Moment zur Seite, schloss die Augen und genoss das beeindruckende ornithologische Konzert. Dabei versuchte ich, die einzelnen Vogelstimmen herauszuhören und ihren Urhebern zuzuordnen.
Besonders angetan haben es mir die Kormorane. Obwohl sie eher unscheinbar wirken und an unseren Gewässern leider nicht überall beliebt sind, faszinieren sie mich immer wieder. Ich mag ihre gesellige Art, ihren beinahe spitzbübisch-überheblichen Ausdruck und ihre typische Haltung, wenn sie nach einem Tauchgang die Flügel ausbreiten, um sie trocknen zu lassen. Gerade diese Momente ergeben wunderbare Fotomotive.
Die Reise an den Kerkinisee war ein aussergewöhnliches Naturerlebnis. Die Kombination aus beeindruckender Landschaft, reicher Tierwelt und griechischer Gastfreundschaft machte den Aufenthalt zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Viel Spass beim Betrachten der Galerie.



































































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