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Die Küstenbären von Katmai

  • Autorenbild: Irene Sieber
    Irene Sieber
  • 10. Okt. 2022
  • 4 Min. Lesezeit
Ausgangspunkt zum zweiten Ziel meiner Alaska-Reise war die Insel Kodiak, zweitgrösste Insel der USA,  im Südwesten Alaskas gelegen. Fjorde, Berge, Buchten, Strände und Grün soweit das Auge reicht. Ihre schöne und raue Natur hat der Insel den Namen «Emerald Isle» eingebracht – die grüne Insel.

Kodiak Island


Hier startete die Expedition per Schiff zu den Küstenbären des Katmai Nationalparks. Die Katmai-Küste… eine unerschlossene Küste, fernab von jeder Zivilisation gelegen, erreichbar nur per Schiff oder Wasserflugzeug. Die Bären kommen nach ihrem Winterschlaf in den Bergen hinunter zur Küste und ernähren sich von Muscheln, Gras, Wurzeln und gelegentlich auch Fisch. Sie warten sehnsüchtig auf das Ende des kurzen Sommers, wenn die Lachse nach ihrer langen Reise durchs Meer an ihren Geburtsort zurückkehren, die Flüsse hinaufschwimmen, um ihre Laichgründe zu erreichen.

Der Juli und August waren in Alaska (im Gegensatz zu Europa) sehr nass und regenreich. Das hatte zur Folge, dass die Flüsse sehr viel Wasser führten und es für die Lachse einfacher war, ihre Laichgründe zu erreichen. Deshalb trafen sie diese Saison schon relativ früh ein, zur Freude der Bären. Die Bären kennen unterschiedliche Techniken, um die Lachse zu jagen und sind dabei sehr effizient. Fast jede dritte Attacke ist erfolgreich, aber zugleich auch ein Kraftakt. Man sah den Bären bereits an, dass es eine gute Saison war. Sie waren sehr wohlgenährt und somit gut gerüstet für den Winterschlaf.



Was tut der Bär wenn er sich den Bauch vollgeschlagen hat? Siesta machen natürlich, und sich die Sonne auf den Bauch oder andere wertvolle Stellen scheinen lassen 😜.

Nach Erreichen der Flussbiegung eines Morgens, überraschten wir 7 Bären am Fischen. Was für ein spektakulärer Anblick!




Ich wurde schon ein paar Mal gefragt, wie nahe wir den Bären gekommen sind. Sehr nahe, bis auf 2 Meter. Diese Nähe hatten sich die Bären jedoch selbst ausgesucht – sie waren es, die auf uns zukamen. Wir näherten uns immer in respektvoller Distanz und liessen den Tieren den nötigen Raum. Sie fühlten sich so nicht gestört und konnten sich immer auch zurückziehen. Bärenmüttern mit Jungtieren näherten wir uns nur bis 200 Meter Distanz. Sie sind besonders sensibel und wir wollten sie auf keinen Fall nervös machen oder in irgendeiner Weise bedrängen. Aus irgendeinem Grund schleppte ich ja das schwere Teleobjektiv mit mir 😉. Heikle Situationen gab es nie, ich hatte vollstes Vertrauen zu David. Er kennt die Buchten, die Bärenpfade und kann das Verhalten der Bären deuten und einschätzen. Er war stets wach- und aufmerksam hinter uns. Für Interessierte lege ich euch Davids Doku «Der Bär in mir» ans Herz.

Die Hauptakteure meiner Alaska-Reise waren die Küstenbären. Ich durfte jedoch, zu meiner Freude, noch zahlreiche andere Begegnungen mit den Wildtieren Alaskas erleben. Der Bär ist der Boss in Alaska, der Elch der König der Tundra. Gelassen und majestätisch streift er durch sein Revier. Seine Körpergrösse und sein Schaufelgeweih sind beindruckend. Auch wenn er ruhig und gelassen wirkt, der nötige Sicherheitsabstand sollte unbedingt eingehalten werden. Ein Elchbulle kann gut und gerne 600 kg schwer werden.


Die Majestät der Lüfte ist der Weisskopfseeadler, das Wappentier der USA. Ein listiger Greifvogel. Meist sitzt er stundenlang, hoch oben und gut versteckt in den Bäumen entlang der Flüsse und späht nach Beute. Nur sein weisses Kopfgefieder verrät ihn. Ich erwischte ihn trotzdem 😀. Es dauert 4 Jahre, bis der Weisskopfseeadler sein charakteristisches Gefieder mit dem weissen Kopf und Schwanz erhält. Juvenile Vögel gleichen unseren Seeadlern.

Die Gemütlichkeit in Person war der Seeotter, chillig trieb er im Wasser und genoss die Abendsonne, ich taufte ihn «Ottie». Eine kleine neugierige Schönheit konnte ich beim Baden beobachten, eine Grauwasseramsel. Sie ist die einzige in Nordamerika beheimatete Vertreterin der Wasseramseln.



Acht Tage waren wir unterwegs in Wathosen, auf uralten Bärenpfaden und durch Flussläufe, bei schönstem Wetter und strömendem Regen. Wir übernachteten auf unserem Schiff, der Island C, wo uns eine grossartige Crew umsorgte und an nassen Tagen mit einer wärmenden Suppe empfing. Das Erlebte und die Begegnungen mit den Bären in Worte zu fassen ohne zig Superlative zu verwenden ist schwierig. Es war magisch und hat mich tief berührt.



Seward und die Kenai Fjords

Letzte Station meiner Reise war Seward, 130 Meilen südlich von Anchorage an der Resurrection Bay gelegen. Eingerahmt von schroffen Bergen, umgeben von tiefen Fjorden und mächtigen Gletschern, die ins Meer kalbern. Ich hatte in den ersten drei Wochen trotz des unbeständigen Klimas in Alaska so viel Wetterglück, einmal musste es ja umschlagen. Übles Hudelwetter… Regen, neblig grau und verhangen, keine Chance diese prächtige Landschaft wirklich zu erleben und ansprechende Fotos zu machen – leider. Einzig an einem Nachmittag, auf einer Wanderung riss es kurz auf.

Eine gewisse Enttäuschung war sicherlich da, doch als ich am Kamin meines schnuckligen B&B sass, die ersten Fotos selektionierte und das bisher Erlebte Revue passieren liess… Glücksgefühle!


Einmal mehr gingen mir die Worte meines Lieblingsdichters John Muir durch den Kopf: «Bei jedem Spaziergang durch die Natur erhält man viel mehr als man gesucht hat». Ich war und bin so dankbar über die vielfältigen Begegnungen mit den Bären in ihrem unberührten Lebensraum und diesen weiten Landschaften der arktischen Tundra.

Alaska – the last frontier ❤️.


Ich hoffe, ich konnte dich mit meinem Reisebericht und meinen Fotos unterhalten, dir die Schönheit Alaskas näherbringen und vielleicht zu Büchern oder Filmen inspirieren. Weitere Fotos von Alaska und den Bären findest du unter den entsprechenden Reitern auf der Webseite. Ich schliesse mit dem «Tschüss-Bär» und einem Schnappschuss aus dem Feld.


Herzlich – Irene



 
 
 

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